|
-
Der Mikrowellendruckaufschluß, warum, weshalb, wieso...
Der
Aufschluß ist nach der Probenahme und der mechanischen Vorbereitung
einer Probe der nächste Schritt in einem naßchemischen Verbundverfahren,
bei dem im Gesamtverlauf die interessierenden Elemente von den restlichen
Matrixbestandteilen abgetrennt und dem eigentlichen Bestimmungsschritt
(z. B. AAS, ICP-OES und ICP- MS) in flüssiger Form als Probenlösung
zugeführt werden. Diese Art von Analysenverfahren wurde von MAJORS
1991 hinsichtlich des Zeitaufwandes für die einzelnen Schritte innerhalb
eines Analysen-Verbundes untersucht [1]. Daraus folgt, daß die Probenahme
und der eigentliche Bestimmungsschritt jeweils nur mit 6 % in den gesamten
Zeitbedarf eingehen, während hingegen die Probenvorbereitung 61 %
der Zeit beansprucht. Hier gilt es also ein Augenmerk auf die Verkürzung
der Zeit bei gleichzeitiger Steigerung der analytischen Güte, wie
Abtrennung der Matrix oder Steigerung der Einwaage und somit einer Verbesserung
der Nachweisgrenze zu legen. Wichtigstes Ziel des Aufschlusses ist das
vollständige Lösen einer Probe, wobei die Aufschlußlösung
alle interessierenden Elemente bzw. Verbindungen in unveränderter
Menge enthalten muß. Anorganische Substanzen sollen dabei vollständig
in lösliche Komponenten überführt werden und organische Substanzen
vollständig mineralisiert werden. Für die Elementspurenanalyse werden
zudem folgende Anforderungen an das Aufschlußverfahren gestellt:
* Der Aufschluß soll einfach durchzuführen sein, ohne großen Arbeitsaufwand
und komplizierte Apparaturen.
* Der Aufschluß soll sicher sein, das Aufschlußgerät muß also über eine
Reihe von Sicherheitseinrichtungen verfügen.
* Das Aufschlußverfahren sollte optimal an das gesamte Analysenverfahren
angepaßt sein, so soll z. B. keine Matrixerweiterung durch die Aufschlußsäuren
erfolgen.
* Die Erfassung und Steuerung der Aufschlußparameter Druck und Temperatur
soll zur Gewährleistung reproduzierbarer Aufschlußbedingungen gegeben
sein.
* Zur Vermeidung systematischer Fehler sollten als Gefäßmaterialien chemisch
und thermisch beständige hochreine Materialien wie Teflon PFA und Quarzglas
eingesetzt werden.
* Bei Verwendung einer geschlossenen Apparatur (Eintopfprinzip) kann eine
Kontamination von außen verhindert werden. [2] Die nahezu unübersehbare
Vielfalt von Probenmaterialien stellt sehr unterschiedliche Anforderungen
an das Aufschlußverfahren hinsichtlich der Probeneinwaage, des Chemismus
der Abbaureaktionen, der Aufschlußsäuren, der Aufschlußtemperatur... etc.
So ist es für den Praktiker unerläßlich, über eine Methode zu verfügen,
mit der nahezu alle anfallenden Proben behandelt werden können. Der "Mikrowellendruckaufschluß"
stellt ein solches leistungsfähiges modernes Verfahren dar.
Marktführer CEM bietet seit 18 Jahren Mikrowellendruckaufschlußsysteme
(aktuelle Geräteversion MARS 5) mit immer neuen Aufschlußbehälterentwicklungen
und Sensortechniken für die gesteigerten Anforderungen der instrumentellen
Analytik an. Die drei Buchstaben CEM stehen für, wie könnte es anders
sein: CHEMIE, ELEKTRONIK und MECHANIK. Hinter diesen Fachgebieten stehen
die drei Gründer, die Mitte der 70er Jahre ihr erstes Mikrowellenanalysengerät
bauten. Heute ist CEM weltweit mit über 250 "Mikrowellenexperten" tätig,
u. a. auch im europäischen Zentrum in Kamp-Lintfort am Niederrhein. Vertrieb,
Service, Applikationserarbeitung, Schulungen, Forschung und Entwicklung
für den deutschen und europäischen Markt sind hier die Tätigkeitsschwerpunkte.
Da CEM seit langer Zeit auf dem Gebiete der Mikrowellentechnik tätig ist
und dort somit ein umfangreiches Knowhow erworben hat, wurde diese moderne
Technologie auch auf andere Bereiche der chemischen Analyse, Probenvorbereitung
und Prozeßsteuerung transferiert.
"Mikrowellendruckaufschlußsysteme" sind im Gegensatz zu Aufschlußsystemen
mit konvektiver Beheizung (z. B. Tölg-Bombe) in der Lage, innerhalb von
kurzer Zeit die Feststoffprobe zu lösen und korrigieren somit die Zeitstatistik
von MAJORS zugunsten der Probenvorbereitung [1]. Durch die direkte Erhitzung
der Aufschlußlösung mittels Mikrowellen, der raschen Abkühlung nach erfolgten
Aufschluß und des Erreichens von Aufschlußtemperaturen weit oberhalb des
"normalen" Siedepunktes der Aufschlußsäuren wird dieser Zeitvorteil erreicht.
Da sich die Aufschlußzeiten mit Hilfe der Mikrowellenenergie oft um ein
Vielfaches verringern, bedeutet dieses gerade für den Routinebetrieb einen
nicht unerheblichen Zeitgewinn und damit auch Kosteneinsparung [3]. Nahezu
jedes Probenmaterial läßt sich mit mikrowellenassistierten Druckaufschlüssen
schneller aufschließen als mit herkömmlichen Methoden: biologische und
pflanzliche Materialien [4], Schlämme [5], Böden und Sedimente [6] sowie
Flugaschen, Kohle und geologische Materialien [7].
Die Mikrowellenerwärmung stellt einen Spezialfall der Erwärmung dar. Im
Gegensatz zur konvektiven Beheizung, bei der die Wärmemenge dem Gut von
außen zugeführt wird und durch dessen Wärmeleitfähigkeit innerhalb des
Gutes verteilt wird (Oberflächenheizung), entsteht die Wärme bei der Mikrowellenerhitzung
im Gut selbst (Volumenheizung). Bei einer Mikrowellenfrequenz von 2450
MHz, die neben 915, 5800 und 22125 MHz von den Behörden für internationale
Kommunikation zugelassen sind, wechselt das elektrische Feld seine Polarität
periodisch. Das zugehörige Magnetfeld trägt nicht zur Erwärmung bei. Polare
Moleküle wechseln infolge des oszillierenden elektrischen Feldes zwischen
geordnetem und ungeordnetem Zustand. Dieses bewirkt eine Rotationsanregung
von Dipolen und eine Molekularbewegung durch die Wanderung der Ionen und
führt so zu einer enorm raschen Aufwärmung von Dielektrika durch intermolekulare
Reibung [8, 9]. Eine Aufschlußlösung bestehend aus Säure und Probe stellt
ein solches Dielektrika dar. Die Durchdringung von mikrowellentransparenten
Stoffen wie Glas oder Kunststoffen (Teflon) ist unendlich groß, diese
Stoffe sind somit als Behältermaterial ideal einzusetzen. Die Mikrowellenstrahlung
wird mit Hilfe eines Magnetrons (Hauptbestandteile: Hochvakuumdiode und
Magnetsystem) erzeugt, induktiv ausgekoppelt und dann über ein koaxiales
Leiterstück sowie einen Wellenleiter als elektromagnetische Welle in den
Ofenraum geleitet. Um das Magnetron bei Dauerbetrieb durch die reflektierten
Strahlen vor der Zerstörung zu schützten, verfügt das MARS 5 über einen
von CEM patentierten Isolator, der die rückstrahlende Mikrowellenenergie
in Wärme umwandelt und abführt. Zur Steuerung des Magnetrons
und somit der Zuführung von Mikrowellenenergie in Abhängigkeit der Aufschlußreaktion
werden ein Drucksensor und eine fiberoptische Sonde zur Temperaturmessung
mit einem Referenzbehälter gekoppelt. Die im MARS 5 integrierte Software
ermöglicht durch die Steuerung des Magnetrons das Erreichen von exakten
Aufschlußtemperaturen und vermag konstante Temperaturen über längere Zeiträume
zu halten. Diese Kontroll- und Steuerungssysteme bewirken zum einen eine
Reproduzierbarkeit sowie Standardisierung der Aufschlußbedingungen und
zum anderen sind sie zentrale Bestandteile des integrierten Sicherheitssystems
im MARS 5 [10]. Hier liegen auch die großen Unterschiede gegenüber modifizierten
Haushaltsmikrowellengeräten, d. h. Mikrowellenöfen, die z. B. nur über
eine externe Steuerung außerhalb des Gerätes verfügen.
Labormikrowelleneinheiten sind im Gegensatz zu Haushaltsmikrowellengeräten
gekennzeichnet durch: eine robuste Konstruktion, eine Vielzahl von Sicherheitseinrichtungen,
integrierte Steuerungen zur Druck- und Temperaturregelung, teflonbeschichtete
Ofenauskleidung, Auslegung für den Dauerbetrieb (d. h. elektronisch hochwertige
Bauteile), den Aufschlußreaktionen angepaßte Behältertechnologie... etc.
Nur so kann eine Analyse mit hoher analytischer Güte sicher und präzise
durchgeführt werden. CEM verfügt über eine Reihe von verschiedenen Behältersystemen
je nach Anforderung der Aufschlußreaktion. So sind z. B. verschiedene
Aufschlußbehältermaterialien wie Quarzglas oder Teflon PFA, verschiedene
Aufschlußbehältervolumina von 25, 50 oder 100 ml verfügbar, zudem sind
die Behälter für unterschiedliche Temperatur- und Druckbelastbarkeiten
ausgelegt. Die neu entwickelten XP-1500 Behälter ermöglichen beispielsweise
den gleichzeitigen Aufschluß von 12 Proben bei regelbaren Aufschlußtemperaturen
von bis zu 300 ƒC und einem max. Druck von 100 bar.
Obwohl die Mikrowellenaufschlußtechnik seit nunmehr 18 Jahren im Markt
etabliert ist und auch schon Eingang in diverse DIN- und US EPA-Methoden
gefunden hat, herrschen gerade über die Bedeutung des max. entstehenden
Druckes immer noch einige Irritationen. Deshalb sei an dieser Stelle ausdrücklich
der Zusammenhang von Druck und Temperatur in Abhängigkeit der Aufschlußreaktion
beschrieben: Der Begriff "Druckaufschluß" ist mißverständlich, er täuscht
vor, der Druck sei wesentliches Kriterium beim Aufschlußprozeß. Tatsächlich
ist der während der Aufschlußreaktion sich aufbauende Druck eher ein lästiger
Nebeneffekt, der durch aufwendige Behältertechnik sowie Meß- und Regeltechnik
ausgeglichen werden muß. Diese Aufschlußtechnik wird besser als "Naßaufschlußmethode
unter Verwendung lösender und/oder oxidierender Aufschlußreagen- zien
im geschlossenen System" charakterisiert [11]. Entscheidendes Kriterium
für den Aufschluß ist die Temperatur, bei der die Säuren den Aufschluß
der Probe bewirken. Der Druck entsteht vorwiegend bei der Zersetzung,
d. h. Oxidation organischen Materials (Kohlenwasserstoff CxHy) zu CO2
und H2O und limitiert somit die Probenmenge. Bein Aufschluß anorganischer
Materialien spielt der entstehende Druck nur eine untergeordnete Rolle.
Literatur:
[1] "An overview of sample preparation", R. E. Majors, LC-GC, Vol. 9 (1991)
[2] "Fehlerquellen beim Aufschluß", P. Tschöpel in: "Probenahme und Aufschluß",
M. Stoeppler (Hrsg.), Springer Verlag 1994 [3] "Der Mikrowellenaufschluß
zur Schwermetallanalytik im Vergleich zu anderen Aufschlußverfahren",
L. Dunemann in: B. Welz (Hrsg.) 5. Colloquium atom spektrometrische Spurenanalyse,
S. 593 - 601 (1989)
[4] "Mikrowellenaufschluß zur Bestimmung von Spurenelementen in Pflanzenmaterial",
B. Zunk, Anal. Chim. Acta 236, 337 - 343 (1990)
[5] "A microwave oven digestion method for the determination of metals
in sewage sludges by ICP-AES ans GFAAS," M. Bettinelli und U. Baroni,
Intern. J. Environ. Anal. Chem. 43, 33 - 40 (1990)
[6] "Evaluation of the use of microwave oven systems for the digestion
of environmental samples", P. Quevauviller et al., Mikrochim. Acta 112,
147 - 154 (1993)
[7] "Applications of microwave oven sample dissolution in analysis", R.
A. Nadkarni, Anal. Chem. 56, 2233 - 2237 (1989)
[8] "Mikrowellenaufschluß", L. Dunemann in "Probenahme und Aufschluß",
M. Stoeppler (Hrsg.), Springer Verlag 1994
[9] "Wesen und Eigenschaften von Mikrowellen", U. Gerhardt und H.-P. Romer,
ZFL 36, 309 - 316 (1985)
[10] "Introduction to microwave sample preparation", H. M. Kingston und
L. B. Jassie, ACS Professional Reference Book, 263 S., 1988
[11] "Der Druckaufschluß - apparative Möglichkeiten, Probleme und Anwendungen",
E. Jackwerth und M. Würfels in: "Probenahme und Aufschluß", M. Stoeppler
(Hrsg.), Springer Verlag 1994
zurück
|