|
Chronologie
- Mikrowellen -
1939 John Randall und Harry Boot entwickeln für die Royal Air
Force das Magnetron als einen leistungsstarken Sender für kurzwellige
Radargeräte.

1945 Percy Spencer entdeckt zufällig das Prinzip des Mikrowellenkochens
durch einen schmelzenden Schokoriegel.


1947 Raytheon
stellt den ersten Mikrowellenofen Radarange vor, der $2.000-3.000 kostet.


1967 Raytheon
präsentiert den ersten 100-Volt Tisch-Mikrowellenherd vor, der unter
$500 kostet.


1986 Erste
Veröffentlichungen über Mikrowellentechnik zu Beschleunigung
organischer Synthese.

Ende 90er Mikrowellentechnik
bzw. Microwave-Assisted Organic Synthesis (MAOS) wird zu einer etablierten
Methode.
|
-
Der
Einzug der Mikrowellentechnik ins Labor
Vom Flugzeug über die Küche ins Labor - Die Geschichte der Mikrowelle.
Die Historie der Mikrowellentechnik erscheint wie das Musterbeispiel einer
wissenschaftlichen Entwicklung. Wie bei vielen technischen Innovationen
waren die Motivation zur Entwicklung der technischen Grundlagen zur Erzeugung
von Mikrowellen militärische Interessen. Bereits 1939 entwickelten
die englischen Wissenschaftler John Randall und Harry Boot die Kernkomponente
zur Mikrowellenerzeugung, das Magnetron, für den Bau kurzwelliger
Radargeräte. Zwei Jahre später setzte die Royal Air Force die
neuen Radargeräte in Flugzeugen ein, und das Magnetron wurde zu einem
wichtigen Kriegsgeheimnis der Engländer.
Bei
der Perfektionierung des Magnetrons wurde trotz ihrer geringen Größe
auch die Firma Raytheon, ein amerikanischer Hersteller von elektrischen
Röhren, durch eine Empfehlung des MIT in die Forschungen einbezogen.
Da einer der Ingenieure von Raytheon, Percy L. Spencer, den Herstellungsprozess
der Magnetronröhren maßgeblich verbessern konnte, bekam Raytheon
einen Vertrag für die Herstellung der Magnetronröhren und mauserte
sich schließlich zu deren wichtigstem Hersteller. Die Erkenntnis,
dass sich Mikrowellen nicht nur für militärische Zwecke sondern
auch im Haushalt zum Kochen eignen, geht auf eine der klassischen Zufallsentdeckungen
zurück. Nachdem 1945 bei einem Experiment ein Schokoriegel in der
Tasche von Spencer zu schmelzen begann, experimentierte der Ingenieur
mit der Erhitzung anderer Lebensmitteln durch Mikrowellenstrahlung. Nur
zwei Jahre später wurde der erste Mikrowellenherd "Radarange" vorgestellt,
der mit einem Preis von über 2.000 Dollar zunächst aber nur
wenig verkauft wurde. Erst mit den ersten Tischgeräten, die Mitte
der 60er auf den Markt kamen und weniger als 500 Dollar kosteten, konnte
die Mikrowelle ihren Siegeszug in der Küche antreten. Auch wenn in
chemischen Labors mit der Mikrowellentechnik bereits in den späten
70er Jahren experimentiert wurde und Mitte der 80er Jahre erste Einsatzmöglichkeiten
in der organischen Synthese erschlossen wurden, ist ein Durchbruch dieser
Methode erst Ende der 90er Jahre zu verzeichnen. Trotz vielfältiger
neuer Möglichkeiten insbesondere in der organischen Synthese lief
die technische Entwicklung von auf den Laborbedarf zugeschnittenen Mikrowellen
erst langsam an. Inzwischen sind jedoch verschiedene ausgereifte Laborgeräte
erhältlich. Mit einer kontinuierlichen Senkung der Preise dieser
Geräte ist zu erwarten, dass sich die Mikrowellentechnik auf Dauer
gegen konventionelle Heizpilze und -platten durchsetzen wird, so wie diese
es gegenüber dem Bunsenbrenner getan haben. Das Magnetron lässt
Dipole oszillieren.
Das
Funktionsprinzip
Die Kernkomponente bei der Mikrowellenerzeugung ist das Magnetron, das
aus einer metallischen Vakuumröhre mit einem Permanentmagneten besteht.
An einer Glühkathode werden Elektronen erzeugt, die durch das Magnetfeld
auf eine Kreisbahn gelenkt werden. Durch die Kollision mit der in periodischen
Abständen eingeschnittenen Außenwand der Röhre wird das
elektrische Feld umgepolt und so Mikrowellen gewünschter Frequenz
erzeugt. Die Energie der erzeugten Mikrowellenstrahlung reicht aus, um
Rotationszustände in dipolaren Molekülen auszulösen. Wenn
das angelegte Feld mit der entsprechenden Frequenz oszilliert, versuchen
sich die Moleküle in dem Wechselfeld auszurichten, wodurch Energie
durch molekulare Reibung und dielektrische Verluste in Wärme umgesetzt
wird. Eine dipolare Substanz, z. B. Wasser, wird dadurch schnell und in-situ
aufgeheizt. Durch das Fehlen von Kontaktoberflächen, an denen die
Wärme übertragen wird, können Lösungsmittel ohne Sieden
überhitzt werden, wobei Temperaturen von bis zu 100 °C über
dem Siedepunkt erreicht werden können.
Quelle: Björn Lippold, Chemie.DE Information Service GmbH
zurück
|